Das Müllheimer Integrationsmodell – Zukunftperspektiven schaffen

In Müllheim wird praktische Integration gelebt. Zugrunde liegen nun zwei Jahre Erfahrung, in denen sich das Modell entwickelt hat und nun die Basis für den Integrationserfolg in Müllheim ist. In wenigen Worten kann man es so beschreiben: Ehrenamt (Ansässige und Ankommende) arbeiten auf Augenhöhe mit dem Hauptamt zusammen, um die Ankommenden zu integrieren. Das Besondere dabei ist, dass auch Ankommende ausgebildet werden, ehrenamtlich mitzuwirken und so zu Multiplikatoren werden. Das Ehrenamt ist dabei die treibende Kraft. Helfer des Helferkreises der Kommune sind zu verbindlichen Zeiten im Integrationsring anwesend sowohl für Ankommende, für Unternehmer, …. und sind somit für alle Akteure der Integration leicht ansprechbar und flexibel erreichbar. Die Integrationsbeauftragte der Kommune ist ebenfalls zu Ihren Dienstzeiten erreichbar und koordiniert die Zusammenarbeit.

Hintergrund

In den Vorjahren hat sich viel Engagement auf erste Hilfsmaßnahmen für Geflüchtete konzentriert. Nun verschiebt sich der Fokus auf konkrete Integrationsmaßnahmen. Herausforderungen sind: Sprachbarrieren, Alltagsbewältigung, Ausbildung-Schule-Beruf, kulturelle Missverständnisse/Unterschiede, Demokratieverständnis, Religions/Meinungsfreiheit. Im Integrationsring wird dafür gesorgt, dass Neuankommende nachhaltige Betreuungsmaßnahmen erhalten, die sie befähigen, in allen relevanten Bereichen in Deutschland Fuß zu fassen. Wir denken auch darüber nach, wie man denjenigen helfen kann, die keine Flüchtlingsanerkennung bekommen, eine Zukunftsperspektive in ihren Heimatländer zu finden. Da sind wir erst ganz am Anfang.

Weitere Informationen erhalten Sie bei samuel.gebert@zuflucht-muellheim.de

Prinzipien des Müllheimer Integrationsmodells

  1. Einfache Definition von Integration, die jeder Ankömmling und Ansässiger versteht: Integration = Willkommen sein + Deutsch sprechen + Lehre/Ausbildung/Arbeit + Wohnung + deutsche Freunde Damit wird Integration messbar.
  2. Wir wollen keine Assimilation, was für uns Anssäsigen der leichtetste Weg wäre. – Wir wollen keine Parallelgesellschaften, was für die Ankommenden das Einfachste wäre. – Wir wollen Integration was für beide Seiten mühselig ist, es bedeutet Fördern und Fordern.
  3. Alle Akteure kennen sich: Es werden (vierteljährliche?) Treffen durch die Integrationsbeauftragte der Kommune organisiert = Runde Tische
  4. Ehrenamt und Hauptamt werden gleichwichtig und gleichwertig gesehen, man begegnet sich auf Augenhöhe. Ehrenamt ist kein Hilfspersonal.
  5. Die Betreuungs- und Integrationsprogresse werden gut formuliert beschrieben, dabei wird immer kenntlich gemacht wo Hauptamt mit seinen Kernkompetenzen und wo Ehrenamt mit seinen Kernkompetenzen sich einbringt. Bei Überschneidungen müssen eindeutige Absprachen getroffen werden. Die Kommunikationswege sind eindeutig und allen klar und werden dynamisch den Veränderungen angepasst.
  6. Die Probleme sind Herausforderungen, die man nicht für den Flüchtling sondern mit dem Flüchtling löst, so dass dieser im optimalen Fall ein Multiplikator, ein ehrenamtlicher Helfer für andere Ankommende wird.
  7. Es gibt einen „neutralen“ Begegnungsort, leicht für alle Beteiligten erreichbar, der den konzeptionellen Namen Integrationsring hat. In Müllheim ist dieser Ort das ehemalige Hotel Bauer neben der Gemeinschaftsunterkunft und neben dem Bahnhof. Dieser Begegnungsort hat Räumlichkeiten für Sprachkurse, für Beratungsgespräche mit den Flüchtlinge, für die Alltagswerkstatt, die Deutschwerktstatt, die Lernwerkstatt und sonstige integrativen Werkstätten und wird von ehrenamtlichen Helfern betreut und verwaltet.
  8. Der Begriff Werkstatt ist ein didaktischer Raum, in der Regel geführt von Helfern (Ansässige wie auch Ankommende), die ein oder mehrere Flüchtlinge bei einer Herausforderung z.B. Sprache, Lehre, Alltag etc. über einen längeren Zeitraum begleiten, schulen, anleiten und ermutigen.
  9. Die Langzeitbetreuung durch ehrenamtliche Helfer bedarf Qualifzierungsmassnahmen oft im Sinne von Train the Trainer z.B. Huckepackkurs der Sprachlotsen, oder die DUO-Multiplikatorenausbildung, bei der jeweils  ein Ansässiger lernt zusammen mit einem Ankommenden die Module „den Alltag in Deutschland meistern“ umzusetzen.
  10. Die steuernde Kräfte der Integration vor Ort sind die Integrationsbeauftragte der Kommune und der Helferkreis der Kommune.